19. Februar 2018

Aargauer Eingaben zum neuen Lehrplan

Grundsätzliches, Nebensächliches und Kurioses: Über 400 Eingaben wurden bei der Anhörung zum neuen Aargauer Lehrplan für die Volksschule eingereicht. Nachfolgend eine kleine Auswahl von Rückmeldungen und Anregungen, die nicht immer die «grossen» Themen betreffen und ab und zu auch etwas aus dem Rahmen fallen.
Für eine bessere Schule: SVP möchte nicht auf Schnürlischrift verzichten, Aargauer Zeitung, 19.2. von Jörg Meier

"Lehrplan setzt den Verfassungsauftrag um"

Es war ein stürmisches Jahrzehnt für die Volksschule: Schulleitungen wurden eingesetzt, Horte und Mittagstische eröffnet, Kleinklassen geschlossen, der Kindergarten in die Schule integriert, und letztes Jahr kam es zum zweiten Mal zu einem erbitterten Kampf um den Fremdsprachenunterricht. Nun werden die Zürcher Stimmberechtigten am 4. März erneut an die Urnen gerufen.
Diese Initiative ist schädlich und unnötig, Tages Anzeiger, 19.2. von Daniel Schneebeli
Kommentare Tages Anzeiger

Zuger Regierung gegen Wahlfach Französisch

Beim Sprachunterricht bestehe Handlungsbedarf, so die Zuger Regierung. Denn eine entsprechende Studie kam 2016 zum Schluss, dass die Schüler im Kanton Zug zwar besser Französisch können als ihre Kollegen in der restlichen Zentralschweiz aber trotzdem unter den Anforderungen liegen. Die Bildungsdirektoren-Konferenz Zentralschweiz (BKZ), die die Erhebung in Auftrag gab, hatte sich danach mit möglichen Verbesserungen des Unterrichts befasst. Die Ergebnisse sollen nun auch im Kanton Zug in den Unterricht einfliessen, wie die Regierung in der Antwort einer Interpellation der Oberägerer Kantonsräte Peter Letter (FDP) und Laura Dittli (CVP) sowie der Hünenberger Beat Unternährer (FDP) schreibt.
Die Regierung hält dabei fest, dass mit dem künftigen Lehrplan 21 das Niveau im Französisch sehr hoch gesetzt ist – im Gegensatz zum Englisch. Zudem haben die Schüler zwei Jahre weniger Französisch als Englisch – im Kanton Zug wird seit dem Sommer 2005 Englisch ab der dritten Klasse unterrichtet und Französisch ab der 5. Klasse. «Zwischen den Zielen und der verfügbaren Zeit besteht eine Diskrepanz», so die Regierung. Diese soll voraussichtlich aber 2020 schweizweit überprüft werden.
Motivieren fürs Französisch, Luzerner Zeitung, 19.2. von Zoe Gwerder

Passepartout ist vergebliche Liebesmüh

Die Kontroverse hat sich im Moment etwas gelegt. Die Frage nämlich, mit welcher Zweitsprache unsere Kinder beginnen sollen: mit Englisch oder mit Französisch. Ich sage, halb im Ernst, halb im Scherz: French first, l’Anglais ensuite. So ist es in den beiden Basel, und das ist gut so. Französisch ist für uns eine Landessprache, Mesdames et Messieurs. Eine andere Kontroverse tobt dafür mit unverminderter Heftigkeit. Es stellt sich hier die Frage nach adäquaten Lehrmitteln für diesen Frühbereich. Diesbezüglich sieht es für Französisch düster aus. Aufgrund eigener Anschauung, Leserbriefen, Kommentaren und Landratsvoten stelle ich fest: Das Konzept Passepartout ist das schlechteste Lehrmittel für Französisch. Das ist nun nicht «tant de bruit pour une omelette», sondern ein deplorabler Zustand, den es zu beseitigen gilt. Et voilà.
Das Konzept Passepartout ist schlecht, Basler Zeitung, 19.2. von Thomas Schweizer

18. Februar 2018

Antwort des LCH zur Konsultation Lehrplan 21 2013

Der LCH vertritt mit seinen 33 Mitgliedsorganisationen (MO LCH) ca. 50'000 Lehrerinnen und Lehrer aller Stufen.

Gegner und Befürworter des Lehrplans 21 im Gespräch

Er bringe Kinder und Lehrpersonen an den Anschlag, kritisiert Schulleiter Harry Huwyler den neuen Lehrplan. Primarlehrerin Marion Heidelberger findet ihn dagegen sehr gelungen. Ein Streitgespräch.
Lehrplan 21: Kompliziert und überladen oder nötig und sinnvoll? Limmattaler Zeitung, 18.2. von Heinz Zürcher

Schleiss will D-EDK abschaffen

Das Amt als Präsident einer kantonalen Ministerkonferenz begreift mancher Regierungsrat als willkommene Gelegenheit, sich auf nationalem Polit-Parkett zu zeigen. Nicht so Stephan Schleiss, der seit 2017 der Deutschschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz vorsteht. Der Zuger SVP-Bildungsdirektor macht sich kurzerhand dran, sein Gremium abzuschaffen.
Schleiss: Keine Notwendigkeit mehr für sprachregionales Gremium, Bild: mbe.

17. Februar 2018

Punkto Digitalisierung auf dem richtigen Weg

Thomas Merz glaubt, dass die Schweizer Schulen im Umgang mit der Digitalisierung mittlerweile auf dem richtigen Weg sind. Der Medienpädagoge sagt aber auch, dass sie auf diesem Weg noch ganz am Anfang stehen.
Digitalisierung an Schweizer Schulen schreitet voran, Luzerner Zeitung, 16.2. von Dominic Wirth

Wie funktioniert die digitale Überwachung der Schüler?

Ab Sommer 2018 wird das neue Fach «Medien und Informatik» an allen Zürcher Primarschulen unterrichtet. Viele der 5.-Klässler werden ein eigenes Tablet erhalten, das sie auch zuhause benützen dürfen.
Wie viel Überwachung in Zürcher Schulzimmern darf sein? SRF Regional, 16.2.

16. Februar 2018

Lehrplan 21 sorgt für Stoffabbau

Anzeiger Affoltern, 13.2.

Pichards Kampf für gute Bildung

Tweedsakko, Hemd, Lesebrille. Alain Pichard ist unschwer als Lehrer zu erkennen, auch in diesem ungewohnten Umfeld: Es ist Projektwoche, die Oberstufen­klassen von Orpund BE schmeissen für ein paar Tage den Hotel- und Bistrobetrieb der Lago Lodge am Bielersee. Schüler hinter der Bar, Schüler in der Küche, Schüler bei der Zimmerreinigung.
Pichard macht nicht nur seine Zöglinge fürs Berufsleben fit. Seit geraumer Zeit hält er auch die kantonalen Bildungsdirektoren auf Trab. Er ist eine Galionsfigur, gewissermassen der Thomas Minder der Lehrplankritiker: Er hat jenen Kampf angezettelt, der heute in fast allen Deutschschweizer Kantonen ausgefochten wird. Auf der Strasse. In den Ratssälen. An der Urne: Die Stimm­berechtigten in den Kantonen Zürich und Bern entscheiden Anfang März über Initiativen, die ein Volksveto für Lehrpläne fordern. In Graubünden steht ebenfalls eine Abstimmung bevor. Andernorts hat das Volk bereits entschieden, doch das Thema brodelt weiter. Und alles wegen ihm.
Alain Pichard schwärmt von Jean-Marie Condorcet, Bild: Oliver Oettli
Der Kämpfer legt eine Pause ein, Berner Zeitung, 14.2. von Christoph Aebischer

Motion für Schweizerdeutsch an französischsprachigen Berner Schulen

Auszug aus dem Motionstext:
In der Tat beschliessen zu viele französischsprachige Jugendliche im Kanton Bern nach ihrer Schulzeit und Ausbildung, in einem Westschweizer Kanton zu arbeiten und/oder sich dort niederzulassen, da die Sprache ein zu grosses Hindernis darstellt. Für unseren Kanton, dem seine französischsprachigen Mitbürgerinnen und Mitbürger wichtig sind und der auf seine Zweisprachigkeit stolz ist, ist dies bedauernswert. Dies umso mehr, da sich der Kanton Bern als Brückenkanton zwischen diesen beiden Sprachregionen versteht. Somit ist es notwendig, zu handeln und alle Massnahmen in die Wege zu leiten, die dazu dienen könnten, den Zusammenhalt zwischen diesen beiden Sprachkulturen zu stärken und die Lebensqualität der französischsprachigen Mitbürgerinnen und Mitbürger zu verbessern.
Schweizerdeutsch-Unterricht an den französischsprachigen Schulen, Motion von Samantha Dunning (SP), Kanton Bern, 24.1.

Keinen Rappen mehr für Passepartout

Der Baselbieter Landrat sagte Ja zur Initiative, die den Ausstieg des Landkantons aus dem Fremdsprachenprojekt Passepartout fordert. Landrat Jürg Wiedemann will nun mit einem Vorstoss erreichen, dass kein Rappen mehr ins Projekt investiert wird.
Passepartout: Initianten wollen keinen Rappen mehr in umstrittenes Fremdsprachenprojekt stecken, Basellandschaftliche Zeitung, 16.2. von Leif Simonsen

Viel zu wenige Urner Schüler erreichen Lernziele im Französisch

Umsetzung des Lehrplans 21, Privatschulen, Homeschooling, Schulleitungen, mangelnde Qualität des Französischunterrichts: Der Urner Erziehungsrat will 2018 schwierige Aufgaben lösen.
Erziehungsrat hat grosse Ziele, Luzerner Zeitung, 16.2. von Bruno Arnold

Passepartout hat noch Rückhalt in Basel-Stadt

Das Baselbiet bereitet den Ausstieg aus dem Fremdsprachenprojekt Passepartout vor und zieht damit einen Schlussstrich unter die unerfreuliche Geschichte des Fremdsprachen-Unterrichts. Vor allem die Französisch-Lehrmittel stiessen bei Lehrpersonen und Eltern auf Unverständnis und Ablehnung.

In der Stadt Basel sehen die Pädagogen das Projekt etwas toleranter. Zwar kritisierten 67 Prozent in einer von der Kantonalen Schulkonferenz erhobenen Umfrage das Hörverstehen. Und 57 Prozent stellen beim freien Sprechen eine Verschlechterung fest. Doch grundsätzlich steht man hinter dem Projekt. «Es gibt diverse Verbesserungsempfehlungen unsererseits, aber die Zustimmung zur Mehrsprachendidaktik war in Basel-Stadt über 80 Prozent», sagt Gaby Hintermann, Präsidentin Kantonale Schulkonferenz.
Baselbieter Passepartout-Ausstieg stoppt Fahrplan der Städter nicht, Basler Zeitung, 15.2. von Franziska Laur

Frust

In gehässigem Ton geisselt Manfred Messmerden Landratsentscheid zum Ausstieg aus dem gescheiterten Passepartout-Projekt. Bar aller Argumente lädt er den ganzen Frust über einen vor Jahrzehnten genossenen Französischunterricht ab, während ihm das heutige Leiden ganzer Schülergenerationen egal zu sein scheint.
Messmers Frust-Kolumne, Basler Zeitung, 15.2. Leserbrief von Felix Schmutz

15. Februar 2018

Primarschule sollte bildschirmfrei sein

Es ist ein Elend mit der Schule. Auch im 21. Jahrhundert setzt sie auf Bücher, Stift und Papier, ja auf Wandtafel und Kreide. Dabei ist die Zukunft, natürlich, digital. Wie sollen die Kinder morgen vermittelbar sein, wenn sie sich heute mit Zirkel und Schönschrift plagen müssen? Wie den Anforderungen der Wirtschaft genügen, wenn sie ihr Deutsch wie weiland Schiller und Goethe aus Büchern lernen?
Ja, jetzt herunterfahren, Tages Anzeiger, 15.2. von David Hesse

Mit Berufsmatur prüfungsfrei an PH?

Die Forderung ist nicht neu. Aber nun kommt sie aus gewichtiger Quelle: Die Bildungskommission (BiK) des bernischen Grossen Rates verlangt, dass auch Berufsleute mit einer Berufsmatur prüfungsfrei an der Pädagogischen Hochschule (PH) Bern studieren können. Das ist bisher nur mit einer gymnasialen Matur möglich.
Die PH Bern möchte einerseits Berufsmaturanden, andererseits sollen diese aber keine Nachteile im schweizerischen Wettbewerb erleiden, Bild: Christian Strübin
Mit Berufsmatur prüfungsfrei an die Pädagogische Hochschule? SRF Regional, 13.2.

Grobe Fehlinformation in der Berner Zeitung

In einem Beitrag informiert die Berner Zeitung über die anstehende Berner Abstimmung zur Mitsprache bei Lehrplänen. Dabei kommt man auch auf die entsprechende Abstimmung im Kanton Zürich zu sprechen. Doch der Beitrag enthält eine grobe Fehlinformation:

8. Gibt es auch andernorts Bemühungen, den Lehrplan 21 zu verhindern?
Der Kanton Zürich stimmt wie Bern am 4. März über eine ähn­liche Initiative ab. Diese würde aber nicht rückwirkend gelten.

Natürlich gilt auch die Zürcher Initiative rückwirkend. Die Übergangsbestimmung im Initiativtext lautet: 
"Lehrpläne, welche nach Einreichung der Volksinitiative beschlossen wurden, bedürfen der Genehmigung durch den Kantonsrat. Der Kantonsratsbeschluss, mit dem der Lehrplan genehmigt wird, unterliegt dem fakultativen Referendum."

Die Zürcher Initiative wurde im Mai 2015 eingereicht.

Naive Heilsversprechen

Die Jünger der Digitalisierung scheinen nicht mitbekommen zu haben, dass bis heute nicht nachgewiesen werden konnte, ob der Einsatz von digitalen Geräten im Unterricht eine positive Wirkung auf den Lernstand hat. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein, wie verschiedene amerikanische Studien zeigen. Sogar der Vorsitzende des OECD-PISA-Programms, der digitalaffine Andreas Schleicher, muss gestehen: „Die Ergebnisse […] zeigen keine nennenswerten Verbesserungen der Schülerleistung in Lesen, Mathematik oder Wissenschaft in den Ländern, die stark in die Informations- und Kommunikationstechnologie für Bildung investiert hatten.“ Aus dem verstärkten Einsatz digitaler Medien resultieren also nicht automatisch bessere Lernergebnisse.
Dennoch sind gegenwärtig die Bündner Gemeinden damit beschäftigt, Millionen hineinzubuttern in eine neue, teure IT-Infrastruktur bis hinunter zum Kindergarten(!). Schöne, neue, digitale Traumwelt!
Naive Heilsversprechen, Urs Kalberer, 15.2.

Weg der Milch

Hintergrundinformationen zum Thema "Milch", Bild: Landwirtschaftlicher Informationsdienst
Der neue "Weg der Milch" ist da, Schweizerbauer, 14.2.

Markante Zunahme später eingeschulter Kinder

Seit der Harmonisierung der Volksschule gehen Kinder früher in den Kindergarten. Doch jetzt wird publik: Die Zahl der später eingeschulten Kinder hat markant zugenommen. Woran liegt das?
Lieber noch ein Jahr länger daheim: Immer mehr Kinder werden später eingeschult, Solothurner Zeitung, 14.2. von Sven Altermatt

Häme gepaart mit Ignoranz

Manfred Messmer beklagt in seiner Kolumne den Entscheid des Landrats, aus dem Passepartout-Experiment auszusteigen. Dabei stützt er sein Urteil gleich doppelt  auf haltlose Versprechungen: Erstens glaubt er den Beteuerungen der Apostel des „neuen“ Sprachenlernens à la Passepartout und zweitens vertraut er auf die Heilskraft der Digitalisierung, die für ihn die „Fremdsprachenzukunft“ bedeutet. Gleichzeitig verunglimpft er Lehrer, welche noch erfolgreich guten Sprachunterricht erteilen können, indem er ihnen hirnlosen Vokabel- und Grammatikdrill unterstellt. So einfach lässt sich die Realität ausblenden und mit ein wenig Häme hier und Ignoranz dort eine Kolumne schreiben.
Häme gepaart mit Ignoranz, Urs Kalberer, 14.2.

14. Februar 2018

Zum Tod von Alfred Gilgen


Er wird vielen in klarer Erinnerung bleiben: scharfe Gesichtszüge, eher klein, schlagfertig, sarkastisch, gelegentlich mit Schalk in Augen- und Mundwinkel, ein guter Zuhörer, dank genauer Dossierkenntnis höchst präsent, unerschrocken, verfemt, kontrollierend und kontrolliert, Brissago rauchend, unabhängiger, als in späteren Jahren seinem Landesring der Unabhängigen lieb war. Alfred Gilgen war volle 24 Jahre, von 1971 bis 1995, Zürcher Regierungsrat und Chef der Erziehungsdirektion. In die sechs Amtsperioden fielen eine starke Expansion vor allem der Mittelschulen und der Universität, etliche Reformen, zwei wirtschaftliche Krisen mit Sparzwängen und -diskussionen als Folge, aber auch Wechsel der politischen und der bildungspolitischen Konjunktur von der «68er»-Welle über eine Phase der Ernüchterung bis zur aufkommenden Kritik an sozialstaatlichen Mustern.
Alfred Gilgens Image wurde stark durch seine ersten Jahre in der Regierung geprägt, die markant begonnen hatten: Wenige Tage nach der – wegen militärischer Pflichten verschobenen – Amtsübernahme liess er im Einvernehmen mit dem Rektor die zentralen Universitätsgebäude vorübergehend schliessen, die eine Gruppe von Studierenden ohne deklarierte Verantwortliche mit einer «antikapitalistischen und antifaschistischen Informationswoche» zunehmend in Beschlag genommen hatte.
Alfred Gilgen anlässlich des Schweizer Schulsporttags im Juni 1995, Bild: Keystone
Ein Politiker mit Prinzipien und Humor, NZZ, 14.2. von ChristophWehrli

Fehlende Lehrmittel und inkonsequente Bewertung


Unabhängig davon, wie sich die Zürcher Stimmbürger am 4. März hinsichtlich Mitsprache in Lehrplanfragen entscheiden: Der neue Bildungskompass wird nach den Sommerferien eingeführt.
Zürich macht sich für den Lehrplan 21 fit, NZZ, 14.2. von Lena Schenkel