12. Dezember 2017

Problemkreis Lesen: Abwarten statt handeln

Stunde der Wahrheit: Vergleichsstudien bescheinigen deutschen Grundschülern schlechtes Lesevermögen und mangelnde Schreibkenntnisse. Auch Schweizer Schulen sind gefordert.
Reformen statt Fortschritt, journal21.ch, 12.12. von Carl Bossard

Kritik wegen Kritik an Sparmassnahmen

Für die roten Tücher an den Schulhäusern müssen die beteiligten Berner Lehrer weiterhin Kritik einstecken. Der Verband Schulbehörden Kanton Bern wirft ihnen «symbolischen Aktivismus» vor, wie er in einem Communiqué vom Dienstag schreibt.
Schulbehörden kritisieren "Aktivismus" der Berner Lehrer, Berner Zeitung, 12.12.

Widerstand gegen Stundentafel der Erstklässler

Erstklässler müssen bald mehr in die Schule. Der Dietiker Bernhard Schmidt will das dem Kanton verbieten. Zu diesem Zweck soll eine kantonale Volksinitiative lanciert werden.
Mehr Unterricht für Erstklässler: Initiative soll Zusatzstunden verhindern, Limmattaler Zeitung, 12.12. von Leo Eiholzer

Luzern führt Hauswirtschaft wieder ein

Kaum eingeführt, rüttelt der Kantonsrat bereits am Lehrplan 21: Mit einer grossen Mehrheit führen die Kantonsräte in der 9. Klasse das Wahlpflichtfach Hauswirtschaftsunterricht wieder ein – trotz Mehrkosten.
Trotz Mehrkosten: Kantonsrat führt Hauswirtschaft wieder ein, Luzerner Zeitung, 11.12. von Evelyne Fischer

Systemwechsel ist ein Flop

Mit der Einführung des 6. Primarschuljahres auf Kosten der Sekundarschule geht die Leistungsschere der lernstarken und lernschwachen Primarschülerinnen und -schüler spürbar auseinander, zudem setzt die Pubertät ein. In derart heterogenen Klassen allen Kindern gerecht zu werden, ohne die Schwächsten zu überrollen und die Stärksten zu unterfordern, kommt einem Mehrfachspagat der Primarlehrpersonen gleich. Den Bildungsansprüchen jedes Einzelnen kann kaum mehr genügt werden – ein Bildungsabbau ist programmiert. Die Erfahrungen in den vergangenen zwei Jahren zeigen: Im 6. Primarschuljahr wird fachlich markant weniger behandelt, als dies früher im entsprechenden 1. Sekundarschuljahr der Fall war. Bildungspolitisch ist dieser Strukturwechsel ein Flopp. Finanziell hat sich die Sparübung nur für den Kanton gelohnt, indem er einen Viertel der Sekundarschulzeit durch entsprechend «günstigere» Primarlehrerlöhne ersetzen konnte. 
Nur die Wirtschaft hat Freude daran, Baselbieter Zeitung, 12.11. von Michael Pedrazzi

Gewerkschaft fordert mehr Unterstützung für integrative Schule

Wilde Kinder, ruhige Kinder, laute Kinder, stille Kinder, behinderte Kinder: Sie alle werden heute in derselben Schulklasse unterrichtet. Seit gut 13 Jahren ist das so oder spätestens seit 2010, seit beim Basler Beitritt zum Sonderpädagogik-Konkordat die Klein- und Sonderklassen Schritt für Schritt abgeschafft wurden.
Als das Erziehungsdepartement (ED) unter alt Regierungsrat Christoph Eymann (LDP) die Umsetzung der integrativen Schule ankündigte, beschlich die Lehrerschaft ein ungutes Gefühl. Die komplette Integration von verhaltensauffälligen Kindern werde einen Zusatzaufwand mit sich bringen, dem sie nicht gewachsen seien, prophezeite ein Teil der Pädagogen damals mit tatkräftiger Unterstützung des Verbands des Personals der öffentlichen Dienste (VPOD).
Das Leiden der Lehrer, Basler Zeitung, 12.11. von Serkan Abrecht

Mafiöse Strukturen hinter Passepartout?

Regierungsräte können sich gegenüber den Passepartout-Autoren der FHNW nicht durchsetzen?! Wem gegenüber sind diese Ideologen verantwortlich? Die Fakten liegen auf dem Tisch: Die miserablen Feedbacks der Lehrkräfte, der enorme Frust der Elternschaft, die desillusionierenden Resultate der Pfenninger-Studie, und mittlerweile ist auch die Überlegenheit der Schülerschaft belegt, die mit den alten Lehrbüchern Französisch lernte, gegenüber den Passepartout-Geschädigten.
Basler Zeitung, 12.11. Leserbrief von Felix Hoffmann

Basler BD mit wenig Einsicht

Den beiden BaZ-Artikeln zum Frühfranzösisch-Flop ist eigentlich nichts mehr beizufügen. Oder doch? Wo steht denn angesichts dieses Flops das Basler Erziehungsdepartement? Es hat noch einen draufgesetzt. In einem Schreiben an die Eltern wurde das neue Lehrmittel gelobt und dem bisherigen Französisch-Unterricht vorgeworfen, er habe aus dem Büffeln von Grammatik und dem Erlernen isolierter Wörter bestanden. Dabei haben sich der bisherige Lehrplan und das bisherige Lehrmittel «Bonne Chance» explizit Kommunikation und praktische Sprachverwendung zum Ziel gesetzt. Bemerkenswert ist, dass ein Arbeitgeber (ED) zur Vertuschung eigener Pannen seine Angestellten (Französisch-Lehrkräfte) in die Pfanne haut.
Basler Zeitung, 12.11. Leserbrief von Markus Burger 

11. Dezember 2017

Lehrerverband klagt wegen Pausenaufsicht im Kindergarten

Der St.Galler Lehrerverband reicht Klage gegen das kantonale Bildungsdepartement ein. Grund dafür ist die Pausenaufsicht im Kindergarten.

Streit um Pausenaufsicht in St.Galler Kindergarten, toponline.ch, 11.12.

Knill will keinen Kindergarten-Master

Der nationale Lehrerverband diskutiert, ob auch Primarschullehrer einen Master haben müssen. Thurgauer Lehrerinnen und Lehrer stehen diesem Ansinnen skeptisch gegenüber. Die Thurgauer Bildungsdirektorin Monika Knill plädiert für das heutige System.
In jeder Schulklasse einen Master, St. Galler Tagblatt, 11.12. von Sebastian Keller

Fachliche Lehramtsausbildung besser an der Universität

Seit einiger Zeit ist die jahrzehntelang ansteigende Welle der Neopädagogik am Abflachen. Das finnische Wallfahrtsziel der strenggläubigen Reformisten ist zum schnöden … Reformfall geworden. Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, auch sie durchreformiert und in den Klassierungen vom Besenwagen bedrängt, suchen nach Auswegen. Frankreich, nach einem Vierteljahrhundert verheerender Versuche am (immer weniger) lebenden Schulkörper hat nun einen Schwenk hin zur Vernunft vollzogen.
Bildung: Zurück zur Realität, Basellandschaftliche Zeitung, 11.12. von André Vanoncini

Mille feuilles missachtet Grundprinzipien des Lernens

Wie Thomas Dähler in seinem Beitrag «Frühfranzösisch-Flop wird korrigiert» festhält, sind die Ergebnisse nach sechs Jahren Fremdsprachenunterricht mit den Passepartout-Lehrmitteln «Mille feuilles», «Clin d’oeil» und «New World» enttäuschend. Nun sollen die Bände umgearbeitet werden, und anschliessend wird noch mehr Ergänzungsmaterial zur Verfügung stehen. Ob dies aber weiterhilft, ist fraglich. Warum?
«Mille feuilles» – Theorie gegen Vernunft, Basler Zeitung, 11.12. von Felix Schmutz

10. Dezember 2017

Bildungskapital als Antwort auf die Digitalisierung der Bildungsmärkte

In der Schweiz bestimmt immer noch die Herkunft über Bildungschancen. Ein radikaler Umbau der Finanzierung könnte das ändern, schreiben Anna Maria Koukal und Reiner Eichenberger.
Investiert in alle!, NZZaS, 26.11. von Anna Maria Koukal und Reiner Eichenberger

Falsche Dogmen und Steuerungsphantasien

Werden Lehrer irgendwann überflüssig sein? Verliert die Berufslehre an Stellenwert? Wird Bildung privatisiert? Drei grosse Entwicklungen prägen die Zukunft der Bildung. Doch nicht alle sind begrüssenswert, schreibt Claudia Wirz.
Schöne neue Bildungswelt, NZZaS, 26.11. von Claudia Wirz

9. Dezember 2017

Lehrer als Überwacher?

Eine Frage beschäftigt Karsten Jung noch immer: «Hätte ich es verhindern können?» Vor vier Jahren unterrichtete der Religionspädagoge an einem beruflichen Gymnasium in Süddeutschland einen jungen Mann namens Nadim. Ein gläubiger Muslim aus akademischem Elternhaus mit guten Noten. «Nadim war freundlich, interessiert und fragte oft nach», sagt Jung. Doch eines Tages war er plötzlich weg. Was erst ein Verdacht war, erhärtete sich kurz danach: Nadim, noch nicht volljährig, zog nach Syrien in den Dschihad.
Für den Deutschen Karsten Jung war das ein Schockerlebnis. «Es gab Hinweise, doch ich wusste nicht, wie ich damit umgehen sollte.» Er suchte nach Büchern und Ratgebern, wollte erfahren, was er hätte anders machen können. Gefunden hat er ... nichts. Also schrieb er selber ein Buch, das anderen Lehrern helfen soll. «Schüler radikalisieren sich nicht von heute auf morgen», sagt er. Das sei ein langwieriger Prozess, der bis zu 18 Monate dauern könne.
Terror-Kontrolle an Schulen? Südostschweiz, 9.12. von Yannick Nock

Weichenstellung für die Zukunft unserer Volksschule im 2018

2018 ist wieder Wahljahr. Ein wichtiges Thema, dass den Bürgern und KMU’s auf den Nägeln brennt, ist das kränkelnde Bildungswesen mit den 20% funktionalen Analphabeten bei den Schulabgängern (Pisa 2015). Bereits am 4. März 2018 können wir im Kanton Zürich über mehr Mitbestimmung in der Volksschule abstimmen, um zu verhindern, dass unsere bewährte Volksschule mit den unsinnigen Reformen an die Wand gefahren wird. Seit der Einführung des Lehrplans 21 häufen sich Reklamationen über die negativen Seiten der heute viel verbreiteten «modernen Unterrichtsformen». 
Weichenstellung für die Zukunft unserer Volksschule im 2018, 8.12. von Peter Aebersold

Winterthur schafft Niveaufächer ab

Keine Niveaufächer mehr: Die Zentralschulpflege Winterthur (ZSP) hat entschieden, die verschiedenen Anforderungsstufen in den Fächern Mathematik, Französisch und Englisch auf Sekundarstufe abzuschaffen. Der Beschluss gilt ab dem kommenden Schuljahr.
Winterthur wieder mit altem Sekundar-Unterricht, Toponline, 8.12.

Dilettantismus und Geldverschwendung

Die Medienmitteilung der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion, dasFranzösischlehrmittel «Mille feuilles» werde überarbeitet, ist nicht nur ein Eingeständnis der Untauglichkeit der Passepartout-Fremdsprachenideologie: sie ist eine Bankrotterklärung. Die Arroganz der Vertreter dieses von Beginn an zum Scheitern verurteilten Projekts rächt sich nun. Den Preis dafür zahlt unser Nachwuchs.
Dilettantismus und Geldverschwendung, Basler Zeitung, 8.12. von Alina Isler

Teure, untaugliche Lehrmittel

Jetzt haben wir den Beweis: DasFrühfranzösischlehrmittel ist untauglich! Ich verlangte als Berner Grossrätin, dass der Regierungsrat die für mich untauglichen Lehrmittel «Mille Feuilles» und «Clin d’Œil» vorerst mit Versuchsklassen testen müsse. Doch davon wollte der Berner Regierungsrat Pulver nichts wissen. Da im Kanton Bern der Bildungsdirektor auch einschneidende Entscheide selber treffen kann, werden nun für diese Lehrmittel jährlich circa 14 Millionen Franken und für Zusatzausbildungen für Lehrpersonen jährlich circa weitere 4 Millionen Franken «verpulvert».
Basler Zeitung, 8.12. Leserbrief von Sabina Geissbühler

7. Dezember 2017

Alle Berner Kindergärten mit WLAN

Der Berner Gemeinderat will alle städtischen Schulen und Kindergärten mit WLAN ausrüsten. Er beantragt beim Parlament dafür einen Kredit von 1,576 Millionen Franken, wie er am Donnerstag mitteilte.
"Kinder sollen zeichnen und nicht im Netz surfen", 20 Minuten, 7.12.

Illusorische Versprechen im Fremdsprachen-Unterricht führen zu Lehrmittel-Überarbeitung

Fünf Jahre nach der Einführung des Französischunterrichts in den dritten Klassen des Baselbiets ist die Ernüchterung total: Die Erwartungen wurden nicht erfüllt. Die Gründe dafür sind auch in der Didaktik der Lehrmittel zu suchen: «Mille feuilles» gilt als Flop. Jetzt handeln die Regierungen der am Frühfranzösisch-Projekt Passepartout beteiligten Kantone der West- und Nordwestschweiz. «Mille feuilles» wird für die fünfte und sechste Klasse überarbeitet, wie dies aus einer Mitteilung der Bildungsdirektion hervorgeht. Es kann davon ausgegangen werden, dass auch die Lehrmittel für die übrigen Stufen folgen werden.
«Es werden Brücken gebaut zwischen Französisch, Englisch, Deutsch und den Herkunftssprachen der Kinder», hiess es erwartungsvoll im Elternbrief des damaligen Bildungsdirektors Urs Wüthrich im Frühjahr 2012 zur neuen «Didaktik der Mehrsprachigkeit», die vor der Einführung stand. Den Eltern wurde angekündigt, ihre Kinder würden schon bald «ohne Hemmungen sprechen und schreiben». Und: «Die zu Beginn gemachten Fehler beeinträchtigen das spätere Erlernen der richtigen Form in keiner Weise.»
Frühfranzösisch-Flop wird korrigiert, Basler Zeitung, 6.12. von Thomas Dähler

Digitale Diktatur

Die Digitalisierung der Bildung ist zurzeit das grosse Thema, wenn es um die «Schule von morgen» geht. Im «Beobachter» vom 18. August konnte man lesen, die Zukunft der Schule sei digital, Lernen beginne dort, wo Lehren aufhöre. Vor diesem Hintergrund werden in den einzelnen Kantonen ganze Schulhäuser digital aufgerüstet; Millionen fliessen in die Anschaffung teurer Hard- und Software. Die mächtigen gewinnorientierten Bildungskonzerne drängen in die Schulen, weil sie das grosse Geschäft mit der Digitalisierung wittern. Die öffentliche Bildung droht zu einer privaten Geldquelle zu verkommen. Und dies umso mehr, als die Investition von Millionenbeträgen in die Informatikbildung von den Regierungen ausschliesslich mit wirtschaftlichen Argumenten begründet wird, während pädagogische, psychologische, kindermedizinische und staatspolitische Überlegungen vollkommen fehlen.
Verkommt die Schule zur digitalen Diktatur?, Thurgauer Zeitung, 4.12. von Mario Andreotti

Entwicklungen der digitalen Transformation in positive Bahnen lenken

Die Digitalisierung hat dazu geführt, dass Faktenwissen jederzeit weltweit fast allen Menschen zugänglich ist. Der unbeschränkte Zugang zu Informationen gehört zu den grossen gesellschaftlichen Umbrüchen des 21. Jahrhunderts. Google, Wikipedia, Facebook begleiten und informieren uns täglich. Aber sind wir Menschen deshalb wissender, klüger, gebildeter geworden?
Wahres Wissen ist human, Tages Anzeiger, 4.12. von Heinz Rhyn

Ich weiss, ich kann, ich will

Christoph Mylaeus ist seit 2011 Geschäftsleiter der Deutschschweizzer Erziehungsdirektoren-Konferenz. Er stellt sich den Fragen zum Lehrplan 21 und zur Kompetenzorientierung.

Der politische Pulverdampf rund um den Lehrplan 21 verzieht sich langsam. Was waren aus Ihrer Sicht die Ursachen für die intensive Debatte?
Der Auftrag der Volksschule muss von Zeit zu Zeit Gegenstand der öffentlichen Diskussion sein. Das ist gut so und wichtig für den Rückhalt der Volksschule in der Bevölkerung und in der Politik. Dieses Mal hat sich diese Diskussion am Lehrplan 21 entfacht, und das aus ganz unterschiedlichen Motiven: politischen, weltanschaulichen und – eher seltener – auch fachlichen.
Kompetenzen - Antworten zum Lehrplan 21, Schulinfo Zug, 5.12. von Lukas Fürrer

5. Dezember 2017

Sekabgänger mit vermehrter Mühe am Gymnasium

Manche Schüler erleben den Sprung von der Sek ins Gymi als regelrechten Kulturschock. Lehrpersonen beider Stufen haben nun aufgezeigt, wo es hapert – und was zu tun wäre.
Kaum im Gymi, schon frustriert: Mathe und Deutsch bereiten Sekabgängern Probleme, Limmattaler Zeitung, 5.12. von Heinz Zürcher