18. August 2017

Baselbieter Privatschulvorlage will sparen - klappt das?

Der Spareffekt der Privatschulvorlage ist umstritten und im Voraus schwierig zu berechnen. Werden zu viele Privatschüler an öffentliche Schulen wechseln, weil sie nicht mehr von 2500 Franken Unterstützung im Jahr profitieren, kann es zu Klassenneubildungen kommen. Und dann wirds teuer.
Wird mit der Privatschulvorlage tatsächlich gespart? Basellandschaftliche Zeitung, 16.8. von Philipp Felber

Pulver tritt vor Einführung des Lehrplans zurück

Erziehungsdirektor Bernhard Pulver (Grüne) tritt vor der Einführung des Lehrplans 21 zurück. Bei den Lehrern ist man trotzdem zuversichtlich, dass die Reform gut über die Bühne geht. Sie stellen aber auch Forderungen.

Pulver-Rücktritt: Lehrer fordern Kontinuität, Berner Zeitung, 17.8. von Marius Aschwanden

Vorsicht beim Loben

Müsste man nicht die Lehrpersonen häufiger motivieren und stärken? Ihnen aufzeigen, wie wichtig ihre Arbeit ist, dass sie nicht bloss arme Typen sind oder sowieso zu viel verdienen. Sollte man nicht ihr Image aufbessern?
C. H.
Liebe Frau H.Hm. Schwierig, schwierig. Denn die Schule ist ja keine geschützte Werkstatt des zweiten Arbeitsmarkts. Man muss also schon davon ausgehen, dass Lehrer(innen), die diesen Beruf ergreifen, dafür einigermassen intrinsisch motiviert sind und auch über ein genügend stabiles Selbstvertrauen verfügen, den Beruf auszuüben.
Müsste man Lehrer loben? Tages Anzeiger, 17.8. von Peter Schneider

Schulbücher einfassen - Aufgabe für Mütter?

«Und», fragte ich nach dem ersten Schultag meinen Sohn, «hast du Hausaufgaben?» Er schüttelte den Kopf und sagte: «Nein, ich nicht. Aber du!»
Unfassbar nervig: Bücher einfassen, Bund, Mamablog, 17.8. von Nadia Meier

Thurgauer ecken nicht an

Relative Passivität passt zum Thurgau, einem gemütlichen Landstrich ohne Ecken und Kanten, mit wenig Konturen, ohne Berggipfel und Schluchten. Die Menschen passen zur Landschaft, sie sind konsensorientiert, freundlich, gesetzestreu. Da fällt es aus dem Rahmen, wenn die Thurgauer, wie jüngst beim Frühfranzösisch, national anecken. Pragmatisch wollten sie den bisher ungenügenden Französisch-Unterricht reformieren und auf der Oberstufe konzentrieren. Als der Bundesrat opponierte und den Sprachenkonsens beschwor, gaben sie klein bei. Die Walliser wären nicht eingeknickt, die Innerrhoder erst recht nicht.
Textpassage aus: Wieso der Thurgau immer wieder ungebremst in Fettnäpfe tapst, NZZ, 17.8. von Jörg Krummenacher

Brauchen Primarlehrer einen Master? Peter Keller sagt nein.

Die halbe Welt beneidet die Schweiz um ihre Berufsausbildung: Dass junge Menschen in den Betrieben den praktischen Bezug zu ihrem Beruf erlernen und begleitend dazu in der Berufsschule und in Fachkursen das theoretische Rüstzeug erhalten. Die Nähe zur Arbeitswelt und das auf verschiedene Begabungen abgestützte duale Berufsbildungssystem ist offensichtlich ein Erfolg: Die Jugendarbeitslosigkeit hierzulande ist viel tiefer als bei unseren Nachbarn in Italien oder Frankreich, wo fast alle Jugendlichen «studieren» und die praxisorientierte Berufslehre unbekannt ist.
"Zu viel wurde und wird in die Lehrpläne gestopft", Basellandschaftliche Zeitung, 17.8. von Peter Keller

Brauchen Primarlehrer einen Master? Beat Zemp sagt ja.

Heute haben alle Lehrpersonen auf der Sekundarstufe I und II einen Masterabschluss. Primarlehrpersonen müssen hingegen ihren anspruchsvollen Beruf in nur drei Jahren erlernen und haben dann einen Bachelor-Abschluss. Die Zeit für diese Grundausbildung ist eindeutig zu kurz angesichts der vielen neuen Aufgaben und Herausforderungen auf dieser Stufe. Wer bis zu 10 völlig unterschiedliche Fächer unterrichten muss, dazu die immer anspruchsvolleren Aufgaben bei der Klassenführung, der Elternarbeit und der Integration von Kindern mit besonderen Lernbedürfnissen bewältigen muss, braucht eine sehr gute Ausbildung. Primarlehrpersonen sollen aber auch noch erfolgreich zwei Fremdsprachen und das neue Lehrplanmodul «Medien und Informatik» unterrichten sowie Kinder aus unterschiedlichsten Kulturen integrieren. Wahrlich keine einfache Aufgabe! 
"Es geht nicht um eine Verakademisierung", Basellandschaftliche Zeitung, 17.8. von Beat Zemp

Reformen sind nicht schuld

Im vergangenen Jahrzehnt war unsere Schullandschaft geprägt von Veränderungen. Einerseits durch die Schulreform im Zusammenhang mit der nationalen Schulharmonisierung, zu der die Bevölkerung mit grossem Mehr Ja gesagt hat. Einer Harmonisierung, die in einer immer mobileren Schweiz sinnvoll und nötig ist. Dieses Ja hat die Bevölkerung an verschiedenen Abstimmungen jeweils bestätigt. So ist der Lehrplan 21 ein kleiner Teil dieses über 10-jährigen nationalen, demokratisch legitimierten Prozesses.
Schulharmonisierung Ja, Bildungsabbau Nein! Basellandschaftliche Zeitung, 17.8. von Miriam Locher, Jan Krichmayr und Roman Brunner

17. August 2017

Lieber Privatschule als Homeschooling

Urner Kinder sollen nur in Ausnahmefällen zu Hause unterrichtet werden dürfen. Das sogenannte Homeschooling sei potenziell mit einer starken Gefährdung der Chancengleichheit und mit weiteren Problemen bei der Förderung verbunden, schreibt der Erziehungsrat.
Uri will lieber Privatschule als Schulunterricht zu Hause, Luzerner Zeitung, 16.8.

PH Zug mit neuer Rektorin

Seit dem 1. August ist Prof. Dr. Esther Kamm Rektorin der Pädagogischen Hochschule Zug. Sie ist Nachfolgerin von Prof. Dr. Brigit Eriksson-Hotz, die von ihrem Amt zurückgetreten ist.
Kamm leitete zuletzt die Abteilung Sek I der PH Zürich, Bild: www.zg.ch
Die PH Zug hat eine neue Rektorin, Zentralplus, 14.8.

Stellenbesetzungen nur mit Kompromissen möglich

Keine Klasse steht ohne Lehrer da. Das melden zu Beginn des Schuljahresdie meisten Kantone. Vielerorts sind in der Volksschule offiziell nur noch eine Handvoll Teilzeitpensen unbesetzt. Ist der jahrelang beklagte Lehrermangel also behoben? Mitnichten, wie sich auf den zweiten Blick zeigt. Auf allen Stufen sind Stellenbesetzungen teilweise nur mit Kompromissen möglich.
Lehrermangel wird sich zuspitzen, Tages Anzeiger, 15.8. von Raphaela Birrer

Notebooks für alle

In allen Winterthurer Primarschulen stehen Notebooks zur Verfügung, die mit einem Lernstick betrieben werden. Damit erhält jeder Schüler seine eigene Lernumgebung. Die Anzahl der Erstklässlerinnen und Erstklässler ist – nach Jahren des stetigen Wachstums – erstmals wieder leicht rückläufig.
Notebooks für alle, Tages Anzeiger, 15.8.

Bildung nach Mass

Rund hunderttausend ­Siebenjährige treten an diesem oder einem der nächsten zwei Montage ihren ersten Schultag an. Schweizweit nehmen sich ihrer Zehntausende Primarlehrpersonen in 5454 Schulhäusern an. Ein Teil der Schweizer Kinder wird aber nie je ein öffentliches Schulhaus von innen sehen. Seit einigen Jahren steigt der Anteil jener Eltern, die ihre ­Kinder aus dem regulären ­System nehmen. Jedes zwanzigste Kind in der Schweiz besucht gemäss aktuellen Zahlen eine Privatschule. In einzelnen reichen Gemeinden in Zug oder rund um den Zürichsee ist es sogar jedes vierte Kind. Tendenz steigend. Die Ausrichtung der privaten Schulen ist so unterschiedlich wie die Gründe der ­Eltern, ihre Kinder aus der Volksschule zu nehmen.

Naive Natives

Der romantische Mythos vom edlen Wilden kennt viele Varianten. In letzter Zeit erfreute sich vor allem die technoide Version grosser Beliebtheit. Die Digital Natives durchstreiften angeblich das Netz mit derselben Sicherheit wie indigene Völker den Dschungel oder die Prärie, sie verwendeten ihre Laptops, Smartphones und Tablets ähnlich souverän wie die naturverbundenen Eingeborenen ihre Lanzen, Pfeile und Bögen. Entsprang die Vorstellung vom edlen Wilden der Phantasie romantischer Zivilisationskritiker, so die von den Digital Natives dem Wunschdenken technikaffiner Pädagogen. Beide einte aber eine Haltung: Sie sahen im Objekt ihrer Begierde das, was sie selbst nicht waren.
Naive Natives, NZZ, 16.8. von Konrad Paul Liessmann

15. August 2017

Massive Investition in ICT

Im neuen Schuljahr wird an den Ostschweizer Volksschulen das Fach «Medien und Informatik» eingeführt. Technisch sind sie dafür bereit. Doch bei der Weiterbildung der Lehrkräfte hapert es noch.
Das Update der Schulen läuft, St. Galler Tagblatt, 13.8. von Tobias Hänni

Lehrer sind überfordert mit Informatik

Es dauere noch Jahre, bis sämtliche Lehrkräfte an den St.Galler Volksschulen für das Fach «Medien und Informatik» ausgebildet seien, sagt Martin Hofmann, Co-Leiter des Instituts ICT & Medien der Pädagogischen Hochschule St.Gallen.
"Viele Lehrpersonen sind überfordert", St. Galler Tagblatt, 13.8.

Linke lässt Schüler im Regen stehen

Schule war schon immer Abbild der jeweiligen Gesellschaft. Humboldt verlieh ihr eine humanistische Prägung, im Totalitarismus des letzten Jahrhunderts war sie autoritär, die 68er machten sie antiautoritär, mit dem Eintritt der Frau in den Arbeitsmarkt wurde sie femininer und durch den aktuellen Neoliberalismus wandelt sie sich zum Marktplatz für privatwirtschaftliche Geschäftsmodelle.
Schulreformen als Mittel zum Zweck, Basellandschaftliche Zeitung, 14.8. Gastkommentar von Felix Hoffmann

Aargauer Regierungsrat gegen Master für Kindergärtnerinnen

Der Aargauer Regierungsrat lehnt den Masterabschluss für Kindergarten- und Primarlehrer ab. Nach seiner Ansicht ist eine Verlängerung der Ausbildungszeit nicht ausschlaggebend, um den Anforderungen des Lehrerberufs gewachsen zu sein. Vielmehr bräuchten die Lehrer attraktive Weiterbildungsmöglichkeiten.
Masterabschluss für Kindergarten- und Primarlehrer? Pro Student 42'150 Franken teurer

Pulver tritt ab

Bernhard Pulver wird sein Amt im kommenden Mai zum Ende der Legislatur nach 12 Jahren niederlegen. Das teilen die Berner Grünen an einer Medienkonferenz mit. Wenn die Grünen 2018 für seine Nachfolge ins Rennen schicken wollen, wird erst im Oktober entschieden.
Er habe sich den Entscheid nicht leicht gemacht, so Bernhard Pulver. «12 Jahre als Regierungsrat sind für mich die richtige Zeitspanne», sagte der Erziehungsdirektor. Man gebe viel Energie in die Sache, irgendwann sei es aber Zeit, neue Ideen zu tanken. «Für mich persönlich – auch vom Alter her – ist es der richtige Zeitpunkt das zu tun.» Die Dauerpräsenz berge das Risiko, ausgelaugt zu werden. Er wolle sich im nächsten Sommer erst einmal eine Auszeit nehmen.
Bernhard Pulver will kein viertes Mal kandidieren, Bund, 15.8. 

Extreme Unterschiede im Bildungsraum Nordwestschweiz

Die strukturelle Harmonisierung der Schulen in den Kantonen Aargau, Baselland, Basel-Stadt und Solothurn ist abgeschlossen: In allen vier Kantonen besteht die obligatorische Schulzeit aus zwei Jahren Kindergarten, sechs Jahren Primarschule und einer dreijährigen Sekundarstufe I mit drei verschiedenen Leistungsniveaus. Ab 2018 wird auch die gymnasiale Ausbildung einheitlich vier Jahre dauern. Dennoch bleiben die Ausbildungsunterschiede gross, wie dies der Bildungsbericht 2017 der vier Nordwestschweizer Kantone aufzeigt. Harmos ist in der Theorie umgesetzt. In der Praxis sind die Kantone weit davon entfernt.
Trotz Harmos sind die Unterschiede geblieben, Basler Zeitung, 14.8. von Thomas Dähler

Trotz Harmos grosse Unterschiede bei der Stufe Sek I

Harmos ist in der Theorie umgesetzt. In der Praxis sind die Kantone aber noch weit von einer Harmonisierung ihrer Schulen entfernt. Dies zeigt der Bildungsbericht Nordwestschweiz 2017 auf, den die vier Kantone Aargau, Baselland, Basel-Stadt und Solothurn gemeinsam publiziert haben. Wenn heute Montag das neue Schuljahr beginnt, wird in sämtlichen Nordwestschweizer Kantonen in den gleichen Schulstrukturen gearbeitet. Doch vor allem die Schultypen der Sekundarstufe I unterscheiden sich weiterhin stark voneinander.
Harmos verändert nur die Strukturen, Basler Zeitung, 14.8. von Thomas Dähler und Alessandra Paone

Werbung als Lehrmittel verpackt

Firmen sponsern Lehrmittel und stellen sie Pädagogen häufig sogar gratis zur Verfügung. Bereits die Jüngsten kommen so mit den Produkten in Kontakt.
Schleichwerbung im Klassenzimmer, Blick, 12.8. von Moritz Kaufmann

In Basel bleibt Gymnasium Königsweg

Mit Harmos wollte Basel-Stadt die Zahl der Gymnasiasten senken. Davon ist man weit entfernt. Bildungspolitiker fordern nun eine strengere Selektion.
Für die Basler ist nur das Gymnasium gut genug, Basellandschaftliche Zeitung, 13.8. von Leif Simonsen

Zürich kann Klassenlehrerstellen besetzen

Die Schülerzahlen im Kanton Zürich steigen, und sie werden es weiterhin tun, wie zuverlässige Prognosen zeigen, die sich auf die Geburtenzahlen stützen. Engpässe bei der Besetzung von Lehrerstellen sind deshalb vor dem Beginn jedes Schuljahres ein Thema. Wie die Bildungsdirektion mitteilt, sind gemäss Auswertungen des Volksschulamts dieses Jahr eine Woche vor Schulbeginn alle Klassenlehrerstellen besetzt. Das heisst aber noch nicht, dass für alle mehr als 16 000 Stellen in der Zürcher Volksschule eine Lehrerin oder ein Lehrer gefunden werden konnte.
Lehrerstellen besetzt, NZZ, 15.8. von Walter Bernet

14. August 2017

Föderale Lösungen sind nicht immer gerecht

Föderale Lösungen sind nicht immer gerecht. Dies trifft auf die Aufnahmebedingungen an Mittelschulen besonders zu. Franz Eberle von der Universität Zürich fordert von den Kantonen faire Standards.

"Gleiche Chancen bei gleicher Fähigkeit", NZZ, 14.8. von Jörg Krummenacher