25. Juni 2017

Glorifizierung des akademischen Wegs

Ein befreundeter Malermeister berichtet, wie schwierig es ist, zwei, drei fähige Vorarbeiter für seinen Betrieb zu finden. Aus den Schweizer Schulen ist gleichzeitig Folgendes zu hören: Wenn ein guter Schüler sagt, er möchte gern Maler (oder Elektriker oder Schreiner) werden, ­bekommt er vom Lehrer oft die Antwort, er als gescheiter Bursche gehöre doch ans Gymi.
Seid clever - werdet Maler! Tages Anzeiger, 23.6. von Edgar Schuler

Kritik an Fremdsprachenunterricht

Eigentlich hat es eine Zeit lang gar nicht so schlecht ausgesehen: Die Mehrheit der Kantone hat mittlerweile die geforderten zwei Fremdsprachen auf der Primarstufe eingeführt und der Lehrplan 21 ist in sämtlichen 21 Projektkantonen beschlossen. Trotzdem reisst die Kritik nicht ab: In der ganzen Schweiz schiessen Bildungsinitiativen aus dem Boden, die den Wiederausstieg aus den diversen Projekten fordern.
Themenschwerpunkt Schule, Telebasel, 24.6.

Umstrittene Reformen

Es diskutieren (v.l.n.r.): Christoph Eymann, Reto Brennwald,  Verena Herzog, Markus Somm. Screenshot SRF

20-jähriger Umweg

Gegen seinen Willen musste der damalige Regierungsrat Hansruedi Striebel (FDP) nach einer Volksabstimmung die Schulreform umsetzen.
Striebel musste die WBS gegen seinen Willen einführen, Bild: Juri Junkov
"A-Zug war das Ghetto für Fremdsprachige", Schweiz am Wochenende, 24.6. von Benjamin Rosch

"Grösstes Missverständnis der Basler Schulgeschichte"

Die Weiterbildungsschule (WBS) gilt als Sinnbild für die gescheiterte Basler Schulreform der 90er-Jahre. Statt zum Gegenmodell des Gymnasiums wurde sie zum Auffangbecken für schulisch Schwache. Nächste Woche schliesst sie für immer die Türen.
Der verzweifelte Kampf um Anerkennung, Schweiz am Wochenende, 24.6. von Leif Simonsen

24. Juni 2017

Bern will mehr Behinderte integrieren

Der Kanton will, dass mehr Kinder mit Behinderung die Regelschule besuchen. Der Berner Gemeinderat begrüsst die Absicht, vermisst aber konkrete Vorgaben.
Die Stadt Bern vermisst konkrete Vorschläge des Kantons betreffs Integration, Bild: Keystone
Stadt Bern fordert vom Kanton mehr Einsatz für inklusive Schule, Berner Zeitung, 22.6.

Artikelsammlung zum Lehrplan 21

Der Baselbieter Lehrerverein LVB hat in verdienstvoller Arbeit eine Artikelsammlung zum Themenkreis des Lehrplans 21 zusammengestellt. Sie ist unter folgendem Link abrufbar:
www.lvb.ch/de/Aktuell/Lehrplan%2021.php

Bildungsrat bremst Volksentscheid aus

Bildungsdirektorin Monica Gschwind kann sich im Ringen um die zukünftige inhaltliche Ausgestaltung der Baselbieter Sekundarschule nicht durchsetzen. Mit dem Ziel, den Lehrplan der Sekundarschule mehrheitsfähig zu gestalten, ist sie vorerst im Bildungsrat gescheitert. Entgegen Gschwinds Vorstellung will der Bildungsrat den neuen Lehrplan und die Stundentafel nach seiner Vorstellung durchsetzen und möglichst schnell in der Praxis einführen – vorerst als Provisorium. Der neue Lehrplan und die neue Stundentafel sollen bereits in einem Jahr in Kraft treten und während dreier Jahre an den Sekundarschülern ausprobiert werden, bevor sie korrigiert und definitiv gestaltet werden.
Unnötiger Machtkampf des Bildungsrats, Basler Zeitung, 24.6. von Thomas Dähler

23. Juni 2017

Initiative fordert Ausstieg aus Passepartout

Das Komitee Starke Schule beider Basel will mit Initiativen aus dem ‹Passepartout›-Projekt aussteigen und, dass in der Primarschule nur noch eine Fremdsprache gelernt werden soll.
Soll "Passepartout" wieder abgeschafft werden? Telebasel, 22.6. von Nora Bader

Informatik bereitet Kopfzerbrechen

Der Informatikunterricht im Lehrplan 21 steht vor Hürden. Lehrmittel sind knapp und nicht alle Lehrer gut ausgebildet.
Informatik in der Schule: Umsetzung bereitet Kopfzerbrechen, SRF Digital, 22.6. von Méline Sieber

Bildungschaos der Region Basel

Während Bildungsdirektoren und Politiker vor neuen Reform-Ideen nur so sprudeln, müssen Eltern, Lehrer und Kinder den Schlamassel ausbaden. Die 10-jährige Sayran zum Beispiel. Oder Tania, Mutter von fünf Kindern. Im Report kommen die zu Wort, die sonst nicht gefragt werden.
Bildungschaos in der Region, Telebasel, 21.6. von Nicolas Bieri

22. Juni 2017

"Verhaltensauffällige sind nicht geistig behindert"

In vielen heilpädagogischen Sonderschulen des Kantons Zürich bietet sich heute das folgende Bild: Neben geistig behinderten Kindern, die schon immer diesen Schultyp besucht haben, finden sich häufig auch schwer geistig und mehrfachbehinderte Kinder. Dies ist verständlich, haben doch auch sie ein Recht auf Bildung und Förderung.
Herausforderung für die Heilpädagogik, NZZ, 22.6. Gastkommentar
von Riccardo Bonfranchi

Zürcher Gemeinderat wehrt sich gegen Laubers Neuorganisation

Stadtrat Gerold Lauber steht in Zürich zwar der grössten Schweizer Schulgemeinde vor. In dieser Funktion aber hat er kaum etwas zu sagen. Seit 2005 sind in allen Schulen Schulleiter tätig, und die Geschäfte führen sieben Schulpflegepräsidenten mit ihren Schulpflegern, die vom Volk gewählt werden. Lauber ist lediglich für die Finanzierung der Schulen zuständig – und auch da vom Gesamtstadtrat und vom Gemeinderat abhängig. Dies wollte der Vorsteher des Schul- und Sportdepartements ändern. Die heute neun Schulbehörden, die nebeneinander auf der gleichen Hierarchiestufe stehen, hätten in einer zentralen Schulpflege zusammengefasst werden sollen. Lauber wäre in diesem Gremium mit den sieben Schulpflegepräsidenten präsent gewesen und hätte als Stadtrat den Vorsitz gehabt.
Lauber scheitert mit Schulreform, NZZ, 22.6. von Corsin Zander

Maire-Hefti neu EDK-Vize

Die kantonalen Erziehungsdirektorinnen und Erziehungsdirektoren haben an ihrer Plenarversammlung vom 22. Juni 2017 in Bern die Neuenburger Staatsrätin Monika Maire-Hefti zur Vize-Präsidentin der EDK gewählt.
Monika Maire-Hefti (SP) ist seit Januar 2016 Präsidentin der Westschweizer EDK, Bild: Kanton Neuenburg
Monika Maire-Hefti wird Vize-Präsidentin der EDK, Quelle: EDK, 22.6.

21. Juni 2017

Keine Prüfungen an Hitzetagen

Das Basler Erziehungsdepartement empfiehlt, an Hitzetagen keine Prüfungen abzuhalten. Der Unterricht solle nach Möglichkeit nach draussen verlegt werden, zum Beispiel ins Schwimmbad. 

Die Administration sieht sich also genötigt, den Lehrern Anweisungen zu erteilen, wie man mit der Hitze umzugehen hat. Lange zuvor angesagte Prüfungen einfach am Prüfungstag zu streichen, finde ich nicht fair gegenüber den Schülern, die sich darauf vorbereitet haben. Die Idee mit dem Schwimmbad tönt verlockend: Bei jeder Gelegenheit die Segel zu streichen und die Schule auf soft mode umzuschalten, finde ich aber nicht fördernd. Besonders auch dann, wenn man bedenkt, dass der beste Ort zum Ausstehen von Hitze das Schulhaus selbst ist. (uk)
Schulen sollen an Hitzetagen Prüfungen vermeiden, Basler Zeitung, 21.6.
Schule auch bei 30 Grad, Berner Zeitung, 21.6.

20. Juni 2017

Sonderschulen mit Konvention vereinbar

Der Artikel (in der TZ vom 15.5.) suggeriert, dass Kinder mit einer Behinderung in der Schweiz einen bedingungslosen Anspruch auf den Besuch einer Regelschule hätten, dies in Folge der vor drei Jahren ratifizierten UNO-Behindertenrechtskonvention. Gemäss dieser müssen «die Vertragsstaaten ein integratives Bildungssystem für Menschen mit Behinderungen auf allen Ebenen gewährleisten.» Für die Autoren des Artikels ist damit klar, dass beispielsweise auch Kinder mit Trisomie 21 Regelklassen besuchen sollten und das Führen von Sonderschulen oder Kleinklassen konventionswidrig ist. 
Sonderschulen mit Konvention vereinbar, Thurgauer Zeitung, 20.6. Leserbrief von René Walcher

"Lehrplan kommt sowieso"

Die Gegner des Lehrplans 21 stehen mit ihren Volksinitiativen für mehr politische Mitbestimmung in Lehrplanfragen auf verlorenem Posten. Erst im Mai haben die Solothurner die Volksinitiative «Ja zu einer guten Volksschule ohne Lehrplan 21» mit einer Zweidrittelmehrheit bachab geschickt. Im Februar scheiterte eine ähnliche Initiative im Aargau, und bereits früher haben die Landsgemeinde von Appenzell Innerrhoden und die Stimmberechtigten in Schaffhausen und im Thurgau ähnlich votiert.
Gegner des Lehrplans 21 bleiben chancenlos, NZZ, 20.6. von Walter Bernet

11 Prozent Männer

Im Schuljahr 2016/17 unterrichten an den Aargauer Schulen insgesamt 8702 Lehrpersonen 74 024 Volksschülerinnen und -schüler in 4002 Schulklassen.
Stark untervertreten: Nur 11 Prozent der Aargauer Primarlehrpersonen sind Männer, Aargauer Zeitung, 20.6.

19. Juni 2017

Herausforderung Mobbing

Jedes zehnte Kind wird in der Schule ausgeschlossen, ausgelacht und fertiggemacht. Für die Basler Lehrerinnen und Lehrer ist das eine grosse Herausforderung. Doch es gibt Programme, um Mobbing zu stoppen. Man muss es nur wollen. 

Mobbingopfer erkranken häufiger an Depressionen, Bild: Hans-Jörg Walter
Gefangen in der Auslachklasse, Tageswoche, 19.6. von Andrea Fopp

Immersionsfach Geschichte

«Immersion» lautet zurzeit eines der neudeutschen Schlagworte der Reformpädagogen. Hinter der Idee des Immersionsunterrichts steht die Auffassung, man lerne eine Fremdsprache viel besser, wenn man sich mit ihr, neben dem eigentlichen Fremdsprachenunterricht, in möglichst vielen Situationen auseinandersetze. In Bezug auf das Englische findet dies im täglichen Leben, etwa bei der Arbeit am Computer oder beim Anhören der weltweit dominanten englischsprachigen Musik, statt. So weit, so gut. Seit einigen Jahren wird diese Lernsituation auch im Schulunterricht in ausgewählten Fächern genutzt. Neben Mathematik, Physik, Biologie, Wirtschaft und Recht ist es das Fach Geschichte, das in einer immer grösseren Zahl von Schulen nicht mehr deutsch, sondern englisch unterrichtet wird. Das kann nicht unwidersprochen bleiben.
Geschichte auf Englisch - eine Kritik, St. Galler Tagblatt, 19.6. von Mario Andreotti

Zürcher Kantonsrat lehnt Lehrplan-Initiative ab

Das Volk und der Kantonsrat sollen beim Lehrplan keine Mitsprache erhalten: Das Zürcher Parlament hat die Initiative «Lehrplan vors Volk» aus SVP- und rechtsbürgerlichen Kreisen deutlich abgelehnt. An der heutigen Aufgabenverteilung und den Kompetenzen des Bildungsrats solle nichts geändert werden.
Mit 113 zu 56 Stimmen lehnt der Rat die Initiative ab. Bild: Keystone
Kantonsrat lehnt "Lehrplan vors Volk"-Initiative ab, Landbote, 19.6.

18. Juni 2017

Richtiger Entscheid der Thurgauer

Die Entscheidung kam überraschend – und sie ist richtig. Der Thurgau hat diese Woche beschlossen, am Französisch in der Primarstufe festzuhalten. Erst Anfang Mai hatte sich der Grosse Rat noch für die Abschaffung ausgesprochen. Die Kehrtwende macht Sinn, denn es ging um mehr als das Frühfranzösisch, um mehr als den Sprachenstreit. Es ging darum, ob Sonderlösungen an den Schulen noch zeitgemäss sind. Die Thurgauer, vor Wochen noch als «die Unbeugsamen» betitelt, gaben gleich selbst die Antwort: Nein! Die Kantone sollen keine Bildungsinseln mehr sein. Die Schulen, einst Vorzeigekind des Föderalismus, sind zu Vorreitern der Einheit geworden.
Kehrtwende im Streit um Frühfranzösisch ist richtig, Aargauer Zeitung, 17.6. Kommentar von Yannick Nock

Rechtschreibung ist Schlüsselkompetenz

Christian Stang, 42 Jahre, begeisterte sich schon als Junge für Wörter, Regeln und Interpunktionen. Im Alter von 16 Jahren stieß er auf einen Fehler in einem Rechtschreibnachschlagewerk – und bekam später das Angebot, selbst mal ein Buch zum Thema Zeichensetzung zu schreiben. Eigentlich ist Stang Postbeamter. Vor sechs Jahren wurde er an die Universität Regensburg abgeordnet. Dort berät er in der Orthografie- und Normberatungsstelle Studenten und Universitätsbedienstete zu Rechtschreibung, Grammatik und zu Normen.
"Kein Notenabzug für Rechtschreibfehler? Das falsche Signal", Welt, 8.6. von Mareike König

Fehler bei der Bildungsharmonisierung

Seit gut zwei Monaten leitet Beat Lüthy das Baselbieter Amt für Volksschulen (AVS), zuvor war er Schulleiter in Sissach. Mit der «Schweiz am Wochenende» spricht er über die Baustellen Harmos, Lehrplan und Frühfremdsprachen. Und er erklärt, warum ihm die Politik zuweilen ein Dorn im Auge ist.
Nach 14 Jahren als Schulleiter leitet Lüthy neu das AVS, Bild: Nicole Nars-Zimmer
"Vertrauen in die Schule ist weg", Schweiz am Wochenende, 17.6. von Hans-martin Jermann und Leif Simonsen

No-Blame-Approach gegen Mobbing

«Julian ist eine fette Sau», stand auf dem Zettel, der in der dritten Klasse herumgereicht wurde. An solche Sticheleien kann sich jeder von uns erinnern – das gehört zum Schulalltag. Aber bei Julian S.* geschah es fast jeden Tag. Über drei Jahre hinweg.
"Alle plagen mich, wirklich alle", Basellandschaftliche Zeitung, 16.6. von Michael Baumann